Aus dem Stadtrat

30-05-2019: Werner Egk Grundschule – die Konstruktion eines negativen Vorbildcharakters

In der gestrigen Stadtratssitzung wurde über 2 Stunden über das Pro und Contra zur Umbenennung der Werner Egk Grundschule Oberhausen oder der weiteren Eignung Werner Egk als Vorbildcharakter für Grundschüler debattiert. Mit 31:25 wurde die Umbenennung mit den Stimmen von CSU, Pro Augsburg und WSA abgelehnt.

Die Polit-WG im Augsburger Stadtrat hatte sich in der Sitzung klar zur Umbenennung positioniert:

Die Namensgebung der Schule wurde 1993 im Stadtrat einstimmig beschlossen, damals ein CSU OB, im Stadtrat stimmten CSU, SPD, Grüne und Republikaner für den Namen Werner Egk. Bereits damals hätte man in einschlägiger wissenschaftlicher Literatur fündig werden können („Musik im NS-Staat“, Priedberg Fred K., Fischer Verlag, 1982) und Bedenken zum Vorbildcharakter Werner Egks vortragen können, was aber damals keiner so gesehen hatte. Die Chance zur Korrektur hat der Stadtrat gestern vertan. Die Vorzeichen für eine Umbenennung waren bis gestern jedoch günstig: ein Schreiben des Kultusministeriums aus dem Jahr 2017 empfahl die Umbenennung, die Augsburger Kommission für Erinnerungskultur ebenso und nicht zuletzt die Schulgemeinschaft selbst.

Stattdessen wird nun mit dem gestrigen Beschluss der Namenserhaltung zusätzlich die Schulgemeinschaft erneut in einen nächsten Prozess gezwungen. Sie soll nun zusammen mit der Verwaltung Vorschläge für eine für Kinder und Eltern verständliche Kontextualisierung zum Leben und zeitgeschichtlichen Hintergrund Werner Egks entwickeln und dem Stadtrat anschließend unterrichten. Wie wenig Empathie dieser Beschluss innehat zeigt ein Satz aus der Stellungnahme der Schule der Teil der Beschlussvorlage für alle Stadträte ist: „Auch die kulturell mannigfaltigen Familien und Mitarbeitenden unserer Schulgemeinschaft empfinden Werner Egks Schaffen in der Zeit des Nationalsozialismus zum überwiegenden Teil bedrohlich und möchten sich davon distanzieren.“

Warum sollen diese Grundschüler, Eltern und Lehrer jetzt noch eine kritische Kontextualisierung ihres Namenspatrons entwickeln der sich zugleich als Namensgeber einer Schule mit einem ganz besonderen Vorbildcharakter auszeichnen sollte? Egk unterhielt gute Kontakte zum NS-Regime, war Funktionär der Reichsmusikkammer und stand auf der Gottbegnadetenliste der Nazis. Eine Antwort darauf konnte auch ein juristisch spitzfindiges Plädoyer des OB in der Debatte nicht liefern, einige Äußerungen der Egk-Befürworter hinterließen mehr als einen fahlen Beigeschmack.

Link zur BSV und den Stellungnahmen

 

 
Zurück | Seite neu laden | Lesezeichen einfügen | Drucken | Link emailen